Fantasie und Realität

Natürlich gibt es auch in unserem Projekt Sterne, sprungfähige Schiffe und räuberische Bestien und wir haben viel Wert auf Details und deren Plausibilität gelegt. Die fantastischen Bezüge sind jedoch nie Selbstzweck, sondern facettenreiche Heimat der Figuren. Im Kern geht es um zutiefst menschliche Fragen mit politischen, psychologischen, gesellschaftlichen, metaphysischen und philosophischen Bezügen.

Der Traum der Harfe

Der Traum der Schwarzen Harfe, ein parareligiöses Phänomen, das zunächst die Senjasantii beschreiben, wird zu einem bestimmenden Element, das jedoch nie vollständig geklärt wird und dass fortwährend zwischen Weisheit und Verklärung pendelt. Immer wieder werden komplexe Einblicke in die Metaphysik des Traums gewährt, der innere und äussere Welt zu verbinden scheint. Shikani schildert ihre Träume aus der Ich-Perspektive, ansonsten erfahren wir nur indirekt von den Visionen der  anderen Träumenden.

Technologie und Kohärenz

Das Buch hat einen technischen Einschlag, da uns wichtig war, eine gewisse Stringenz im Design von Schiffen, physikalischen Grundlagen oder Welten des Rings zu schaffen. Die Gestalt eines Universums muss etwas Zwingendes haben, um einen plausiblen Rahmen für die Handlung zu schaffen. Wir haben stundenlang gerechnet, Konzepte entwickelt, räumliche Anordnungen diskutiert – doch all das bleibt schmuckvolle Nebensache. Der Ring hat keinen Bezug zur Menschheit, auch wenn die Endoer (Ja’en, Etani, Se’en, Bromen) mit Absicht durchwegs menschlich wirken – im Kontrast zu den fremdweltlichen Senjasantii.

Überstürzende Ereignisse

Immer wieder überstürzen sich die Ereignisse. Ja’ens und Shikanis Schilderungen greifen ineinander, ergänzen und komplettieren sich in schneller Folge. Wir haben sorgsam darauf geachtet, dass komplizierte Abläufe überschaubar bleiben – auch für Lesende, die Details nicht sonderlich interessieren. Es gibt Gefechte, blutrünstige Bestien, heftige Auseinandersetzungen, angedrohte Todesurteile und schwerwiegende Verluste. Mit Absicht kontrastieren ereignisreiche Szenen in der äusseren Welt mit Begegnungen in der inneren – mit ineinander laufenden, gegenseitigen Bezügen.

Macht und Ohnmacht

Das Buch kennt kein holzschnittartiges Gut und Böse. Es berichtet von Figuren, die etwas erreichen wollen und dafür bereit sind, alles in eine Waagschale zu werfen. Immer wieder zeigt die Handlung die Mächtigen ohnmächtig und die vermeintlich Machtlosen voller Kraft. Durch das ganze Buch hindurch ziehen sich ausgedehnte Dialoge: Fragen und Erklärungen, Offenbarungen, Versprechen, Forderungen, Annäherung und Entfremdung. In diesen Dialogen entfalten vor allem die zwei Erzähler Ja’en und Shikani ihre innere Welt, ihre Zweifel, Gewissheit und Zuneigung.

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